Wie be”kloppt” sind Führungskräfte?

Irgendetwas muss Jürgen Klopp richtig machen. Da kann man zu seiner “Haartransplantation” stehen, wie man will.

Was sich da gestern in Dortmund wieder abgespielt hat, war eine neuerliche Demonstration reinster intrinsischer Motivation, absolute Lust auf Leistung und eine Freude am “Wir”, die für mich schon etwas Unwiderstehliches hat. Und der beste Beweis ist die Manier, mit der dieses Team die sog. “Galaktischen” mit 4:1 geschlagen hat.

In der letzten Woche war im Fernsehen eine Dokumentation von Jürgen Klopp zu sehen und dort war einiges zu erfahren, aus dem Munde des ‘Meistertrainers’ selbst, das Aufschluss darüber gibt, wie be”kloppt” man sein muss, um so erfolgreich zu sein.

Er spricht u.a. davon, dass es darauf ankommt, Werte zu respektieren, er sprichtvon Zuversicht vermitteln, von Demut angesichts des Glücks, des Erfolgs der ihm widerfahren ist. So bezeichnet er den hymnischen Abschied und die ihm gezeigte Verehrung authentisch als “im Ansatz komplett übertrieben”.

Mir scheint da auch eine große Fähigkeit zu sein, im Erfolg die noch realisierbaren Möglichkeiten zu sehen. Er erzählt, dass sein Vater ihn nur sehr spärlich anerkannt hat, dass er auch nach 4 geschossenen Toren zu hören bekam, dass er 7 Chancen hat “liegen lassen”.

Natürlich berichtet er auch von den Tälern, die durchschritten werden müssen, um endlich den Gipfel zu erklimmen. Er brauchte mit dem FSV Mainz 05 drei Anläufe, um in die 1. Liga zu kommen. Wobei der Aufstieg zweimal erst am letzten Spieltag verpasst wurde. Welche Tragik.
Und wenn man sich dann die Rede anhört, die er vor tausenden von Menschen nach dem zweiten verpassten Aufstieg gehalten hat, eine echte Gänsehaut-Herzensrede, dann erahnt man, welche Macht Gefühle und welche Bedeutung emotionale Intelligenz und Charisma für Glück, Erfolg und Lernen haben.
Führungskräfte brauchen das – diese Fähigkeit, an das Selbstwertgefühl, das Potenzial von Menschen im Innersten zu appellieren und diese unbändige Kraft zum Wandel zu spüren und zum Fließen zu bringen.
So gesehen gestern abend und schmerzhaft spürbar für die “Königlichen”. Ein Team ungebändigt und deshalb wild entschlossen (sozusagen mit geöffneten Schleusen).

In der Emotionalität zeigt sich auch noch etwas Be”klopptes”: Jürgen Klopp lässt Emotionen zu, manchmal im Extremen und für manche zu extrem. Da fliessen Tränen, ungehemmt, da ist der nackte Zorn zu sehen oder die völlig entgrenzte Begeisterung. In all dem liegt sicher der Schlüssel des “Bekloppten”.

Interessant auch die Äußerung des Vorstands des FSV Mainz zur Entscheidung Jürgen Klopp’s, aus der Mannschaft heraus das Training zu übernehmen: Er hat es sich einfach zugetraut”.

So wie er sich offensichtlich wertschätzen kann, kann er das auch authentisch anderen zeigen. Ich möchte diesen Ausflug ins “Bekloppt-Sein” mit dem Einstieg Jürgen Klopps in eine Rede vor Studenten der Sporthochschule Köln abschließen, die er absolviert hat. Er sagte: “Wenn ich irgendetwas werden konnte, kann’s jeder!”

Ziemlich be”kloppt”, oder?

 

 

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